START-UP? NÖ, DANKE

Zugegeben: Kickertisch oder Mate-Kühlschrank sucht man in der Finanzverwaltung vergebens. Doch wer Zukunft gestalten und trotzdem noch Zeit für Familie und Freizeit haben will, ist bei KONSENS richtig.

Ein Dienstag im Spätsommer, 7:36 Uhr. Katharina Wilke fährt ihren Rechner hoch, schaltet ihre beiden Bildschirme an. Heute Nachmittag soll das Wetter schön werden, deshalb ist die 25-Jährige extra früh aufgestanden. »Eher eine Ausnahme«, gesteht sie. Meist radelt sie erst gegen 8:30 Uhr die acht Kilometer von ihrer Wohnung in die Hannoveraner Innenstadt. Manchmal noch später – »zum Beispiel, wenn die Feier am Abend davor gut war.« Auf dem einen Monitor vor ihr blinken jetzt weiße Ziffern und Pfeile auf schwarzem Grund. Der andere zeigt ein Dialogfenster – »das ist Eclipse, die Entwicklungsumgebung für die Programmiersprache JAVA, mit der wir arbeiten«, erklärt Katharina Wilke. Die junge Frau ist Softwareentwicklerin bei KONSENS. Damit erfüllte sich für sie ein lange gehegter Wunsch: »Ich wollte schon immer etwas mit Computern machen, wollte programmieren, habe zu Hause schon erste Versuche gestartet.«

FLEXIBILITÄT UND SICHERHEIT PASSEN ZUSAMMEN

Beruflich aber schlug sie zunächst andere Wege ein: Erst absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Steuerfachangestellten in einem Steuerberaterbüro, danach das duale Studium zur Diplom-Finanzwirtin in Hildesheim. Im Oktober 2017 wechselte die begeisterte Freizeitgamerin dann zum Landesamt für Steuern in Hannover. Seit Anfang 2018 ist sie dort Teil des 25-köpfigen Teams, das für Niedersachsen das Verfahren BIENE vorantreibt.

BIENE – das steht für »Bundeseinheitliche integrierte evolutionäre Neuentwicklung der Erhebung«. Ziel des Verfahrens: die Steuererhebung moderner und einheitlicher gestalten. Katharina Wilkes Aufgabe ist es derzeit, ein Programm mitzuentwickeln, mit dem die von Vollzugsbeamten in die Finanzkasse eingezahlten Beiträge automatisch richtig verbucht werden. »Einfach gesagt, bin ich im Moment dabei, die Dialogfenster, die aufpoppen, umzustellen und anzupassen.« Welche Teilaufgaben sie angehen will, kann sie jeden Tag selbst entscheiden. »Am Anfang war das gewöhnungsbedürftig, jetzt finde ich die Eigenverantwortung toll.« Für Laien klingen die Sätze, die Katharina Wilke mit ihren Kolleginnen und Kollegen wechselt, wie eine fremde Sprache: »Die Klassen kapseln alles weg und ich komme an keine Methoden mehr ran«, beschwert sie sich zum Beispiel. Und sagt dann lachend: »Selbst mein Freund, der nur ein paar Büros weiter arbeitet, versteht oft nur die Hälfte, wenn ich von meinem Tag erzähle.« Warum sie nicht in die freie Wirtschaft gegangen ist? »Ganz klar: die Sicherheit und die Familienfreundlichkeit hier. Und wenn ich mal ein Kind bekommen sollte, kann ich danach wieder einsteigen und in Teilzeit arbeiten.«

KEIN TAG WIE DER ANDERE

Ministerium der Finanzen NRW, Düsseldorf, 10:30 Uhr. Wenn Katharina Wilke sich ihr Frühstück in der Kantine holt, ist Hüseyin Dönmez schon fast fünf Stunden auf den Beinen. Der 33-Jährige stellt sich den Wecker meist auf 5:30 Uhr, um noch vor dem Berufsverkehr mit dem Auto die 35 Kilometer nach Düsseldorf zurückzulegen. Auch er arbeitet Gleitzeit und kann sich seinen Arbeitsalltag frei einteilen. Seit 2015 ist der Diplom-Finanzwirt Sachbearbeiter im Organisationsteam von KONSENS. Seine Mission ist es, die Arbeitsabläufe in den Finanzämtern auf die neue Steuer-IT einzustellen. »Wenn man bundeseinheitliche Software einführt, verändert man altbewährte, überholte Arbeitsabläufe. Wir im Organisationsteam legen die Fahrtrichtung fest, trommeln die betroffenen Leute zusammen, sprechen mit der Personalvertretung und entscheiden, welche Schritte in welcher Reihenfolge angestoßen werden müssen.« Sein Job sei vor allem eines: vielseitig. »Mein Tag beginnt mit einer Tasse Kaffee. Aber wie er dann weitergeht, ist immer wieder völlig anders.« Hüseyin Dönmez reist viel, hält Kontakt zu allen KONSENS-Teams der Bundesrepublik. Sein Tag füllt sich mit Besprechungen, Bürgeranfragen, E-Mails, Telefonaten. Routine? Fehlanzeige. »Veränderungen fand ich schon immer gut. Und ein Job, bei dem ich jeden Tag dasselbe mache, wäre nichts für mich.«

SCHNELLE ERFOLGE FÜR JUNGE EINSTEIGER

Die Vielfalt der Aufgaben und Anforderungen ist auch das, was KONSENS für Alexandra Zillich auszeichnet. Sie ist Bereichsleiterin in der Steuerabteilung der Hessischen Zentrale für Datenverarbeitung (HZD) und unter anderem dafür zuständig, neue Entwicklerinnen und Entwickler an Bord zu holen. Ihr Team besteht aus Finanzbeamten und Quereinsteigern aus der IT. Warum sich IT-Fachkräfte für eine Behörde als Arbeitgeber entscheiden? »Ich höre in Einstellungsgesprächen oft, dass wir als ethischer Arbeitgeber wahrgenommen werden. Außerdem können bei uns auch junge Einsteigerinnen und Einsteiger schnell in hohe Besoldungs- bzw. Gehaltsstufen aufsteigen. Und es gibt innerhalb von KONSENS eine Vielzahl von Anwendungen, die jeweils mit eigenen Logiken und Programmiersprachen arbeiten. Das bietet viele Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen und sich zu spezialisieren. « Der Bedarf an Nachwuchs sei dank der Digitalisierungsoffensive in der Finanzverwaltung groß wie nie – und eine Karriere bei KONSENS alles andere als eine Einbahnstraße: »Wir ermutigen zum Wechsel zwischen Projekten, ermöglichen laufend Weiterbildung und unterstützen unsere Leute dabei, am Puls der Zeit zu bleiben.«