PARADIGMENWECHSEL

Die Steuerwelt ist komplex – die dahinterstehende Software auch. Entsprechend sind auch die Abstimmungsbedarfe bei der KONSENS-Entwicklung eine Herausforderung. Die neue Serviceorientierung trägt dem Rechnung.

Das KONSENS-Gesetz hat die Weichen gestellt: KONSENS stellt um auf eine allgemeine Serviceorientierung im IT-Bereich. So werden Abläufe der Steuerverwaltung künftig in Geschäftsprozessen und Geschäftsservices dargestellt und mit IT Services verbunden. Die Entwicklung der dafür benötigten Software findet dann projektbezogen statt. Standardisierung, Transparenz und klare Verantwortlichkeiten rücken in den Vordergrund. »Wir stoßen einen Paradigmenwechsel auf vielen Ebenen an«, sagt Ute Claaßen, Leiterin der Zentralen Organisationseinheit Anforderungsmanagement, kurz ZOE ANF. Die ZOE ANF ist der »Single Point of Contact« für die Anforderungen an KONSENS und vermittelt und koordiniert zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern – von der Gesetzgebung bis hin zum Einsatz in den Ländern.

»Die IT ist kein Selbstzweck«

»KONSENS zielt auf die föderale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der IT ab. Denn IT ist kein Selbstzweck. Sie ist umso effektiver, je besser sie bei der Erledigung der fachlichen Aufgaben unterstützt. Voraussetzung ist ein einheitliches Verständnis dieser fachlichen Sicht«, sagt Raimund Eggert. Eggert leitet am Standort Düsseldorf die Zentrale Organisationseinheit Architekturmanagement. Diese ZOE ARC unterstützt wie die ZOE ANF in Niedersachsen die Gesamtleitung bei der operativen Steuerung des Vorhabens KONSENS und ist federführend bei der Umstellung auf die serviceorientierte Architektur.

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Kleinteiliger und agiler

Den aktuellen Prozess beschreibt ITler Eggert als »Business-IT-Alignment«: Zunächst wird aus fachlicher Sicht festgehalten, was die eigentlichen Geschäftsservices sind, damit die IT-Fachdienste auch unterstützen können – hier arbeitet die ZOE ARC an einer technischen Zielarchitektur. Im nächsten Schritt werden die Verantwortlichkeiten verankert: Wer macht wann was, wer wird beteiligt, wer trifft die Entscheidung? »Bestandteil des Servicemanagements ist die Definition von Rollen«, so Claaßen. Die Beschreibung und Abgrenzung von Rollen helfe, die richtigen Fachleute für die zu besetzenden Stellen zu finden. Eine klare Struktur könne in Zukunft zudem dazu beitragen, neue Anforderungen schneller in der Software abzubilden – etwa, wenn politische Entscheidungen wie die Mehrwertsteuersenkung in der Corona-Zeit kurzfristige Anpassungen erfordern. Raimund Eggert sieht das genauso: »Monolithische Lösungen nach dem EVA-Prinzip – also Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe – passen nicht mehr in die moderne Welt. Wir müssen kleinteiliger werden, um agiler zu sein.«